Kompetenz ist gut, mit Persönlichkeit noch besser
Bescheinigte Kompetenzen sehen auf dem Papier toll aus. Zeugnisse, Zertifikate, Skills, alles fein sortiert. Aber mal ehrlich: sagen sie wirklich etwas über den Menschen dahinter aus? Ich glaube: nicht genug. Kompetenzen sind wichtig. Klar. Sie zeigen, was jemand kann – das ist nützlich, sogar notwendig.
Was wirklich zählt? Haltung, Werte, Neugier, Sinn. Menschen, die zuhören können, die Fragen stellen, die über den Tellerrand schauen – die machen den Unterschied.
Worum es wirklich geht
In meiner Arbeit mit Menschen merke ich immer wieder: das Zwischenmenschliche zählt mehr, als wir manchmal denken. Wie jemand denkt, fühlt, im Team agiert – das kann man kaum in Bullet Points packen. Immer wieder treffe ich auf Menschen mit vermeintlich perfekten Lebensläufen – top Noten, alle Zertifikate, die man für den Bereich braucht – und trotzdem kommen sie im Team kaum an. Dann gibt es die anderen: Sie sind nicht so schick auf dem Papier, aber offen, empathisch und neugierig. Und plötzlich merkt man: die machen den Unterschied.
Kompetenzen sind wie Werkzeuge – wichtig, nützlich, aber eben nicht alles. Was wirklich zählt, sind Haltung, Werte und Sinn.
Deshalb schaue ich in Gesprächen meist auch hinter die Kompetenzen: Wohin möchte dieser Mensch wirklich?
Zwei Beispiele aus der Unternehmenspraxis:
- Eine junge Kollegin aus der Generation Z wollte unbedingt in einem sozialen Projekt arbeiten, obwohl ihr Lebenslauf eher klassisch kaufmännisch war. Gemeinsam fanden wir eine Möglichkeit, ihre Stärken im Team einzubringen, so dass Ihre Sinnsuche im Unternehmenskontext bestmöglich erfüllt wurde. Heute ist sie weiterhin motiviert im Job und leistet einen wertvollen Beitrag für das Team.
- Ein Bewerber, der früher lt. dem Lebenslauf zuverlässig und loyal war, bewarb sich nach einer längeren Auszeit. Im Gespräch sprach er offen über seine persönliche Herausforderungen und dem Wunsch, wo er hin möchte. Gemeinsam suchten wir nach einem passenden Platz im Unternehmen und entwickelten Perspektiven – die er konsequent genutzt hat. Nicht, weil alles perfekt war, sondern weil zwischen uns Vertrauen und Klarheit da waren.
Sinn und Persönlichkeit – das unsichtbare Extra
Viele fragen sich heute: Was macht meine Arbeit wirklich wertvoll? Was bringt sie dem Leben – nicht nur dem Lebenslauf?
Genau das ist der Punkt: Sinn und Persönlichkeit werden wichtiger.
Es geht also nicht um „entweder–oder“. Kompetenzen brauchen wir natürlich. Aber genauso Mut zur Reflexion, Empathie, echtes Interesse am Gegenüber. Das unsichtbare Extra, das oft mehr bewirkt als jede Zertifizierung - auch bei uns selbst.
Ein kleiner Perspektivwechsel
Vielleicht geht es nicht darum, immer bessere Kompetenzmodelle zu entwickeln.
Vielleicht geht es darum, wieder genauer hinzuschauen:
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Wer sitzt mir eigentlich gegenüber? Was treibt die Person wirklich an?
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Was bringt dieser Mensch wirklich mit – jenseits von Lebenslauf und Rolle?
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Wo könnte ein Platz sein, an dem das, was da ist, wirksam werden darf?
- Welche Chance bietet sich für das Unternehmen, die Gemeinschaft, die Familie - abseits der bisherigen Wege?
Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir Menschen als fühlende, denkende, wachsende Persönlichkeiten. Und das – so glaube ich – macht den echten Unterschied für ein erfolgreiches Miteinander.